Ringgröße messen, vergleichen und sinnvoll einschätzen
Ein Tool zur GrößenbestimmungEin Ring, den man öfter tragen möchte, muss passen. „Das geht schon irgendwie, der ist so schön“ ist beim Ringkauf fast immer ein Fehler. Zu kleine Ringe sollte man gar nicht erst schönreden. Wenn man beim Anlegen innerlich schon die Beißzange sieht, ist der Spaß vorbei. Zu große Ringe dagegen besitzt man oft nur für kurze Zeit: irgendwann sind sie weg.
Der Online-Kauf von Ringen klappt gut, wenn zwei Dinge stimmen: Der Verkäufer muss die Ringgröße sauber messen, und der Käufer muss seine eigene Größe möglichst genau kennen. Das klingt einfacher, als es ist.
Wichtig sind vor allem zwei Maße: der Innendurchmesser des Ringes und der Umfang des Fingers an der Stelle, an der der Ring sitzen soll. Dabei ist ein Finger kein idealer Zylinder. Der Querschnitt ist nicht ganz rund, die Gelenke sind meist dicker als die Stelle, an der der Ring später sitzt, und Finger verändern sich im Lauf des Tages durch Wärme, Kälte, Belastung und Wassereinlagerung.
Ein gut passender Ring ist deshalb ein kleiner Kompromiss: Er muss gerade noch über das Gelenk gehen, darf dort etwas Widerstand leisten, soll aber am Sitzplatz nicht einschneiden. Er soll nicht von selbst abrutschen, aber auch nicht wie ein Schraubstock sitzen. Zwischen „sicher“ und „zu eng“ liegt nur ein schmaler Streifen Land.
Mir selbst passen an einem Finger oft zwei benachbarte Größen nach dem englischen System. Das ist normal und kein Messfehler. Besonders breite Ringe fühlen sich enger an als schmale Ringe und brauchen manchmal etwas mehr Spiel.
Größe bestimmen
Wenn Sie sich ein paar Minuten Zeit nehmen, bekommen Sie meist ein brauchbares Ergebnis. Nehmen Sie eine dünne, feste Schnur, einen Bindfaden oder ein Stück weichen Draht. Formen Sie daraus eine Schlinge, die sich gerade noch über das betreffende Gelenk streifen lässt. Sie darf nicht locker sein und nicht von selbst abfallen.
Aber auch wichtig zu verstehen: Schnur oder Draht passen sich der Fingerform besser an als ein harter Ring. Deshalb darf die Schlinge auch keinesfalls zu streng sein und nur mit Mühe überhaupt über das Gelenk gehen.
Wenn sie gut sitzt, schneiden oder knipsen Sie sie auf und messen die Länge sorgfältig nach. Eine Genauigkeit von etwa einem halben Millimeter ist sinnvoll.
Diese Länge ist der innere Umfang. Sie können den Wert unten in den Rechner eintragen. Der Rechner gibt daraus den ungefähren Innendurchmesser und die passende englische Ringgröße aus.
In Deutschland wird häufig der innere Umfang in Millimetern verwendet. Der Innendurchmesser ist anschaulicher: Umfang ist ungefähr Durchmesser mal 3,14. Ich persönlich arbeite gern mit dem englischen Buchstabensystem oder direkt mit dem Innendurchmesser in Millimetern.
Größen ändern
Es ist ein kleiner Glücksfall, wenn ein Ring gefällt und genau passt. Oft möchte man die Größe ändern. Manchmal geht das gut, manchmal nur mit sichtbaren Spuren, und manchmal sollte man es lassen.
Minimal vergrößern kann man viele Metallringe durch vorsichtiges Dehnen mit geeignetem Werkzeug. Eine kleine Änderung hält fast jeder einfache Metallring aus, ohne dass sich außer dem Durchmesser sichtbar etwas verändert. Bei Steinen, Fassungen, starken Verzierungen oder sprödem Material muss man aber vorsichtig sein.
Wenn ein Ring geglüht werden kann, lässt er sich oft noch etwas weiter dehnen. Das Glühen entspannt das durch Dehnen belastete Metall. Danach kann man erneut ein kleines Stück weiterarbeiten, ohne sofort Risse zu riskieren. Ein guter Millimeter ist je nach Ring manchmal erreichbar.
Wenn mehr als etwa 1 bis 1,5 Millimeter nötig sind, wird der Eingriff deutlicher. Man kann den Ring stärker treiben oder kaltschmieden. Mit wiederholtem Zwischenglühen lassen sich Risse vermeiden, aber Hammer und Werkzeug hinterlassen irgendwann Spuren. Bei geschmiedeten Ringen kann das gut zum Charakter passen, bei glatten Ringen eher nicht.
Eine andere Möglichkeit ist das Aufsägen des Rings und das Einlöten eines passenden Materialstücks. So sind auch größere Änderungen möglich. Gut gemacht sieht man die Stelle später kaum, oft nur mit der Lupe. Trotzdem ist der Ring dann technisch verändert.
Beim Verkleinern gilt Ähnliches: Man kann den Ring aufsägen, Material entfernen und wieder zulöten. Auch das kann fast spurlos gelingen. Aber Löten bedeutet Hitze, und bei komplex aufgebauten Ringen, empfindlichen Einlagen oder bestimmten Oberflächen kann das problematisch sein.
Kleine Verkleinerungen lassen sich manchmal auch durch vorsichtiges Stauchen erreichen. Mit Glühen und etwas mehr Kraft kann ein Ring unter Umständen deutlich kleiner werden, ohne dass der Gesamteindruck leidet. Sicher vorhersehbar ist das aber nicht bei jedem Stück.
Unterm Strich bleibt: Wirklich schonend lassen sich Ringe nur in engen Grenzen ändern. Je größer die gewünschte Änderung ist, desto eher muss man sichtbare Bearbeitungsspuren oder technische Risiken akzeptieren. Manchmal stören solche Spuren nicht, manchmal machen sie den Ring sogar lebendiger. Das hängt ganz vom Stück und vom persönlichen Geschmack ab.
Solche Änderungen brauchen immer individuelle Beratung. Wenn eine abgesprochene Änderung an einem meiner Ringe schiefgeht, trage ich das Risiko. Deshalb gibt es auch Änderungswünsche, die ich nicht annehme.
Sprechen Sie mich an. Meistens gibt es eine Lösung.
Ringgrößen-Rechner
Geben Sie einen bekannten Wert ein und klicken Sie auf „Los“. Die beiden anderen Werte werden daraus berechnet.
Hinweis: Der Rechner rundet auf die nächstliegende englische Größe. Bei sehr breiten Ringen kann eine etwas größere Größe angenehmer sein.