Das System der Elemente, sozusagen die Vorstufe des I Ging
Orakel - eine Art von Datenkompression?Das I Ging arbeitet mit Hexagrammen – Figuren aus sechs Linien, die sich aus zwei Dreierblöcken, den Trigrammen, zusammensetzen. Dieses kleine Orakel bleibt auf der Ebene der Trigramme und ist dadurch einfacher und gröber: Während das vollständige I Ging ein sehr differenziertes Bild typischer Lebenssituationen zeichnet, geht es hier eher um die zugrunde liegende Richtung, um die Energie dahinter – mehr eine Momentaufnahme als ein ausgemaltes Bild.
Den Gedanken, schon aus den Trigrammen allein ein Orakel zu bauen, hatte ich bereits letztes Jahr; vor ein paar Tagen habe ich ihn in ein kleines Programm gegossen. Das Ergebnis finde ich überraschend ansprechend.
Am besten probieren Sie es einfach aus – in der Praxis finden Sie bald heraus, ob Sie mit den Aussagen etwas anfangen können und worauf sie sich beziehen. Das Ganze ist weitgehend selbsterklärend.
Um die drei Linien zu ermitteln, tippen Sie auf den Button „Werfen". Das ist auch schon alles, was Sie tun müssen. Pro Linie tippen Sie drei- oder viermal; wann eine Linie vollständig ist, erkennt das Programm von selbst – es arbeitet genau nach dem traditionellen Schafgarbenorakel, der klassischen I-Ging-Methode. Sie würfeln zuerst die unterste, dann die mittlere und zuletzt die obere Linie aus.
Manchmal schlägt eine Linie um: Sie verwandelt sich von Yin (durchbrochen) zu Yang (durchgezogen) oder umgekehrt, und es entsteht ein neues Bild.
Ist das Orakel vollständig, erscheint unten ein Text.
Nehmen Sie diesen Text nicht allzu wörtlich. Manchmal stimmt das Bild, manifestiert sich aber auf einer ganz anderen Ebene, als der Wortlaut nahelegt. Ein Beispiel: „Lass es wachsen, statt daran zu ziehen. Was zurückkehrt, kommt von selbst, wenn man es lässt." Ob damit die Wiederholung einer Serie gemeint ist, ein Fußball-Rückspiel oder die Chance eines neuen Anfangs – das sagt das Orakel nicht. Verstehen Sie die Aussage als Beispiel und überlegen Sie, worum es eigentlich geht.
Mein Vorschlag: für mich funktioniert es gut, eine Frage aufzuschreiben, sie laut auszusprechen, mir das möglichst bildlich zu vergegenwärtigen, und dann zu werfen. Dafür ist das Feld "Frage" gedacht. Schriftlich festhalten kann helfen. Es ist eine reine Gedächtnisstütze und unterstützt dabei, eine Frage sauber zu formulieren. Je klarer die Frage desto klarer die Antwort. Also: "was ist mit Hubert gerade los?" und mir Hubert vorstellen, bzw. ein Foto von ihm ansehen, oder "wie gehe ich das Gespräch mit dem Sachbearbeiter an?" und mir vorstellen, wie ich in seinem Büro sitze und wir uns unterhalten.
Sie können aber (z.B. wenn Sie etwas Meditationserfahrung in dieser Richtung haben) auch versuchen ganz bewusst nichts zu denken einfach möglichst offen und ruhig zu sein.
Letztes Jahr, als ich altchinesische Symbole auf Anhänger ätzte, fiel mir auf, dass die großen Sprachmodelle – die sich gerade auf einem ungeahnten Siegeszug befinden – beinahe erschreckend gut geeignet sind, das I Ging verständlich zu deuten. Auf Nachfrage bestätigen das die KI-Modelle selbst. Der Grund liegt nahe: Hinter den manchmal kryptischen Texten steht eine klare, mathematisch elegante Systematik. Die Deutung der einzelnen Elemente ist nicht willkürlich und nicht bloß auf einzelne „Episoden" gestützt, sondern folgt einem abstrakten, logischen System – und die KI kennt dazu viele, teils schwer zugängliche Quellen, was ihr hier zugutekommt.
Wie ich darauf komme, dass das alles andere als zufällig und "esoterisch" ist? Die Evolution des Lebens auf diesem Planeten hat sich zur Speicherung ihres biologischen Codes von Anfang an auf genau einen solchen „Algorithmus" gestützt. Der genetische Code in jeder Zelle jedes irdischen Lebewesens ist nach diesem Prinzip aufgebaut; die Mathematik des I Ging gleicht der Mathematik unserer DNS. Es scheint sich also um ein naheliegendes, in sich stimmiges Ganzes zu handeln, nicht um eine Anhäufung von unstrukturiertem Zufall.
Leibniz hatte wenige Jahre zuvor das binäre Zahlensystem entwickelt – jenes Rechnen mit nur zwei Ziffern, 0 und 1, auf dem heute jeder Computer beruht. Als ihm ein jesuitischer Missionar aus China die Anordnung der 64 Hexagramme schickte, erkannte er sofort sein eigenes System wieder: Liest man die durchbrochene Linie als 0 und die durchgezogene als 1, zählen die Figuren genau die Zahlen von 0 bis 63 durch. Ein uraltes chinesisches Zeichensystem und seine brandneue Mathematik beschrieben dieselbe Ordnung.
Ich behaupte nicht, dass „die Alten" schon wussten, was der genetische Code ist. Aber offensichtlich hatten sie ein profundes Verständnis für die tiefen strukturellen Zusammenhänge der Wirklichkeit – Zusammenhänge, die sich unter anderem in der Mathematik spiegeln.